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Raumluft & Innenräume

Menschen verbringen in Mitteleuropa rund 80–90 % ihrer Zeit in Innenräumen.

Die dort eingeatmete Luft unterscheidet sich häufig deutlich von der Außenluft – in Zusammensetzung, Dynamik und Belastung

Im Gegensatz zur Außenluft unterliegt Raumluft nur eingeschränktem Austausch.

Schadstoffe, Feuchte und Wärme entstehen kontinuierlich und werden ohne gezielte Maßnahmen nur langsam abgeführt.

Raumluftqualität ergibt sich aus dem Zusammenspiel von:

  • Emissionsquellen

  • Nutzung und Belegung

  • Luftwechsel und Strömung

  • Temperatur- und Feuchteverhältnissen

Damit ist Raumluft immer orts- und nutzungsspezifisch.


80-90%


unserer Zeit

verbringen wir durchschnittlich in Innenräumen

white tiles

Wo Belastungen entstehen


Viele Baustoffe und Oberflächen emittieren gasförmige Stoffe über lange Zeiträume:

  • Farben, Lacke, Klebstoffe

  • Bodenbeläge, Dämmstoffe

  • Holzwerkstoffe (z. B. Formaldehyd)

Die Emissionen sind abhängig von:

  • Materialzusammensetzung

  • Alter des Gebäudes

  • Temperatur und Luftfeuchte

Relevante Bewertungsgrundlagen finden sich u. a. in:

  • AgBB-Schema (Bewertung von VOC-Emissionen aus Bauprodukten)

  • DIN EN 16516 (VOC-Emissionsprüfung)

Auch Möbel wirken als kontinuierliche Emissionsquellen:

  • Spanplatten, Schäume, Textilien

  • Flammschutzmittel, Weichmacher

Besonders in neu eingerichteten Räumen können VOC-Konzentrationen zeitweise deutlich erhöht sein.

Der Mensch selbst ist eine zentrale Einflussgröße:

  • CO₂ durch Atmung

  • Feuchte durch Atemluft und Transpiration

  • Partikel durch Bewegung und Nutzung

Zusätzlich entstehen Belastungen durch:

  • Kochen, Reinigen, Drucken

  • Kerzen, Duftstoffe, Aerosole

Raumluft ist damit immer ein Nutzungsprodukt, kein neutraler Zustand.

Zentrale Belastungsgrößen der Raumluft


Feuchte beeinflusst sowohl das Wohlbefinden als auch mikrobiologische Prozesse:

  • zu hohe Feuchte begünstigt Schimmelbildung

  • zu niedrige Feuchte belastet Schleimhäute

Bewertungsbereiche werden u. a. beschrieben in:

  • DIN EN ISO 7730 (thermische Behaglichkeit)

  • Empfehlungen des Umweltbundesamtes (UBA)

Feinstaub und resuspendierte Partikel stammen u. a. aus:

  • Außenluft

  • Textilien und Oberflächen

  • Verbrennungsprozessen

In Innenräumen wirken andere Dynamiken als im Freien, da Ablagerung und Wiederaufwirbelung eine größere Rolle spielen.

VOC sind eine der komplexesten Belastungsgruppen:

  • sehr unterschiedliche Stoffe

  • unterschiedliche Wirkmechanismen

  • häufig Mischbelastungen

Bewertungsansätze:

  • TVOC-Konzepte

  • Stoffbezogene Richtwerte (z. B. UBA-Richtwerte)

Raumlufthygiene – ein technischer Begriff

Der Begriff Raumlufthygiene beschreibt nicht „saubere Luft“ im umgangssprachlichen Sinn, sondern den Zustand der Raumluft im Hinblick auf gesundheitliche Unbedenklichkeit.

Er umfasst:

  • chemische

  • physikalische

  • mikrobiologische Aspekte

Normative und technische Bezüge:

  • VDI 6022 (Raumlufttechnik, Raumluftqualität, Hygiene)

  • DIN EN 16798 (Innenraumparameter für Gebäude)

  • Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV)

  • ASR A3.6 (Lüftung)

Diese Regelwerke definieren Anforderungen und Bewertungsrahmen, keine Komfortversprechen.

Typische Raumtypen – unterschiedliche Problemlagen


Normative Bezüge finden sich u. a. in:

  • DIN EN 16798-1

  • Empfehlungen des Umweltbundesamtes und der DGUV

  • hohe Nutzungsvielfalt
  • geringe technische Kontrolle
  • starke Abhängigkeit vom Nutzerverhalten
  • hohe Belegung
  • dominierende CO₂- und Feuchtebelastung
  • technische Lüftung häufig vorhanden, aber nicht optimal betrieben
  • hohe Belegungsdichten
  • zeitlich stark schwankende Belastungen
  • häufig unzureichende Luftwechselraten

Warum Ursachenanalyse entscheidend ist

Maßnahmen ohne Ursachenverständnis bleiben oft wirkungslos oder kurzfristig.

  • Beispiele: Lüften reduziert Symptome, beseitigt aber keine Emissionsquelle 
  • Luftreiniger verändern Partikelkonzentrationen, nicht Materialemissionen 
  • Entfeuchtung wirkt lokal, nicht systemisch 

Eine belastbare Bewertung der Raumluft erfordert: 

  • Kenntnis der Quellen 
  • Kenntnis der Nutzung 
  • Kenntnis der Luftführung

Raumluftqualität ist ein Ergebnis – kein Schalter.